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USA, Amerika, Hollywood, solide Wirtschaft, Haushaltsüberschuss, brave, patriotische Einwohner.
Grauenhafte Verbrechen, Mörder die kreativer sind, als ihre Henker, falls es soweit kommt, Korruption,
menschliche, gesellschaftliche Abgründe.
Die USA, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die "Heile-Welt-Macht" wird uns tagtäglich in den Medien vorgestellt (abgesehen von den jüngsten Ereignissen). Die andere Seite zeigt uns James Ellroy (53). Seines Zeichens erfolgreicher Autor. Im weitesten Sinn schreibt er Kriminalromane. Aber es bei dieser Betrachtung zu belassen wäre töricht.
Am 15. Januar 1947 wird der verstümmelte, zweigeteilte und teilweise ausgeweidete Leichnam von Elizabeth 'Liz' Ann Short in Los Angeles gefunden. Sämtliche verfügbaren 'Cops' werden zur Suche ihres Mörders mobilisiert. Das bisher durchaus erfolgreiche Ermittlerduo Bucky Bleichert und Lee Blanchard ist dem Mörder auf der Spur. Aber alles andere als erfolgreich. Persönliche Affären, die sie aus gutem Grund voreinander geheim halten, bringt die beiden als Team und als Freunde immer weiter auseinander.
Ellroy schreibt in seinem direkten, ungeschönten Stil, wie seine Charaktere erst aneinander vorbei und später gegeneinander arbeiten. Er führt uns durch die tiefsten Abgründe der Kriminalität im LA der fünfziger Jahre. Von schmierigen, fetten, einflussreichen 'Cops' mit perversen Phantasien über Drogenhändler mit wenig Umsicht aber vielen Freunden, die schnell Blei verteilen, zu den angesehensten Unternehmern Hollywoods, die vor lauter heiler Fassade deren Fundament vernachlässigt haben und jetzt vor dem persönlichen und gesellschaftlichen Absturz stehen.
Ausgewachsene Handlungsstränge verlaufen ins Nichts, um an einem winzigen Detail zum wichtigsten Teil im Puzzle der "Schwarzen Dahlie" zu werden. Fast atemlos verschlingen wir Seite um Seite, um am Ende des Kapitels eine Pause einzulegen, etwas zu essen, auf die Toilette zu gehen. James Ellroy lässt uns nicht gehen. Nicht zwischen seinen Kapiteln. Wir versuchen ihn zu überlisten; an Stellen wo etwas mehr Hintergrund als actionreiche Story erzählt wird, erledigen wir unsere dringendsten Geschäfte. Denn eins ist schon nach zehn Seiten klar: das Buch ist zu gut für eine "Zwischendurch-Lektüre". Ellroy erfahren ist ein Fulltime-Job. Ihn vor dem Einschlafen zu vergessen unmöglich. Immer wieder erscheint das übertriebende Grinsen der Dahlie, dass ihr von Ohr zu Ohr (dank "chirurgischer Hilfe" ihres Mörders), im Gesicht steht.
An Schlaf ist nicht zu denken bei einem 100% gesteigerten Puls. Die üblichen prägnanten Schlagworte auf der Rückseite des Einbands klingen kurz, zerreißend und bestimmt. Sie lauten aber: "A mesmerising study of the psychosexual obsession... extraordinarily well written." - The Times. Das macht Eindruck. "One of the rare brilliantly written books you want to press on other people" - Time Out. Vorher, optimistisch: "Mal sehen". Skeptisch: "Steht ja überall drauf". Nachher: "Ja!".
Wir recherchieren: "The Black Dahlia" ist das Erste von Vieren. LA Quartett heißt das Ganze. "The Big Nowhere", Nummer Zwei, ist schon bestellt. Die Freude auf schlaflose Nächte, vernachlässigte Freunde und Pflichten ist von außen betrachtet unheimlich. Unheimlich, was der Mann mit uns macht. Von uns aus gesehen müssen wir noch die restlichen Bücher lesen. Eine Sucht? Nein! Nicht nach einem Buch, obwohl...einmal ist immer das erste Mal.
"Das erste Mal". Die 'Dahlie', Liz, ist vergewaltigt worden, Lebensqualität ade. Da darf man auch mal was vernachlässigen. Dafür hat man ja Freunde, die einen - notfalls, aber nicht nach nur einem Buch - aufrichten. Nicht so James Ellroy. Nach einer erfolgreichen Karriere als Gangster, Alkoholiker und Junkie hat ihn niemand aufgerichtet. Er selbst kam zu dem Entschluss, dass Schluss sein muss. Er fing an zu schreiben. Sein Glück, seine Passion.
Wo enden wir? Die USA besser kennen gelernt zu haben und mehr wissen zu wollen. Ellroy sollte lieber in der Tourismusbranche Werbeberater werden, da würde unser Leben geordneter verlaufen - aber wer will das schon? Die Anderen bestimmt, die kennen Ellroy - noch - nicht.
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http://www.ellroy.com/
http://www5.cnn.com/2000/books/news/08/15/ellroy.confidential/index.html
http://www.telegraph.co.uk:80/et?ac=002549632124328&rtmo=V15mkGxx&atmo=rrrrrrrq&pg=/et/01/4/12/tlroy12.html
http://www.webfic.com/mysthome/ellroy.htm
http://www.edark.org/ellroy/english/index.html
http://www.crimetime.co.uk/interviews/ellroy01.html
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0099366517/o/qid%3D997435094/sr%3D2-2/302-2392206-8722462
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3548250203/302-2392206-8722462
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Patrick Andrieu